Großer Ölalarm auf Erms und Neckar
Rund 3500 Liter gelangen in Metzingen in die Erms - 150 Wehrleute im Dauereinsatz -
Unterstützung von Ulm bis Stuttgart
Bempflingen/Neckartenzlingen/Neckartailfingen. Bis in die Abendstunden hinein kämpften
gestern entlang von Erms und Neckar rund 150 Feuerwehrleute gegen einen Ölteppich an, der bei
einem Tankunfall in Metzingens Stadtmitte in die Erms gelangt war: Rund 3500 Liter Heizöl waren
aus bislang noch ungeklärter Ursache beim Befüllen von Tanks in der Seifenfabrik Enzian aus
einem Keller ins Erdreich und den Fluss ausgelaufen. Neben den örtlichen Feuerwehren wurden
auch Einsatzkräfte aus Plochingen, Esslingen, Stuttgart und Ulm herangeführt. Das gesamte
Ausmaß des Schadens war gestern bis Redaktionsschluss noch offen.
Gestern gegen 10 Uhr wurden die Feuerwehren von Neckartailfingen, Neckartenzlingen und
Bempflingen von der Esslinger Einsatzleitstelle alarmiert: Mitten in Metzingen, im Gebäude
der Seifenfabrik Enzian direkt am Ufer der Erms war es bei der Anlieferung von Heizöl gegen
9 Uhr zu einem Unfall gekommen. Wie die Metzinger Polizei mitteilte, war aus noch ungeklärter
Ursache das Öl im Keller des Gebäudes ausgelaufen und über ein im Gebäude vorhandenes, altes
Kanalsystem in die Erms geflossen.
Die Feuerwehr Metzingen und auch die Wehren der flussabwärts enlang der Erms und des Neckars
liegenden Gemeinden waren zur Bekämpfung der Gewässerverunreinigung bald fast vollständig
im Großeinsatz. So errichteten sowohl die Metzinger als auch die Riedericher Wehren mit der
Unterstützung von aus Reutlingen angeforderten Kräften mehrere Ölsperren auf der Erms.
Die erwiesen sich jedoch aufgrund der hohen Fließgeschwindigkeit des Flusses als nur bedingt
tauglich, um die heranfließenden Heizölmengen aufzufangen.
Das bekamen auch die Wehren im angrenzenden Esslinger Kreisgebiet zu spüren, die von der
Einsatzleitstelle in Esslingen koordiniert wurden: So wurde die Bemplinger Wehr zwar von einer
Gruppe der Feuerwehr Esslingen mit einem Ölabscheider an einer Sperre an der Mittelstädter
Straße unterstützt, dennoch gelangte einiges an Heizöl auf der Erms weiter talwärts nach
Neckartenzlingen. Dort wurden ebenfalls Ölsperren in Höhe der Gärtnerei und an der Einmündung
der Erms in den Neckar mithilfe der Neckartailfinger Feuerwehr und ihrem Motorboot errichtet.
Doch schon bald zeichnete sich ab, dass auch diese Maßnahmen nicht ausreichen würden: So brach
die Neckartailfinger Wehr die Unterstützung in der Nachbargemeinde ab und errichtete auf eigener
Gemarkung eine weitere Ölsperre unterhalb der Brücke der B312 über den Neckar, wo auch Kräfte
aus Plochingen eintrafen, um mit einem weiteren Ölabscheider bei der Entfernung der giftigen
Fracht des Flusses zu helfen. "Wir haben hier eine ausreichend niedrige Fließgeschwindigkeit,
sodass das Öl nicht mehr die Sperren unterlaufen kann", so der Neckartailfinger Abschnittsleiter
Gerd-Uwe Hecke. Dennoch wurde vorsorglich eine weitere letzte Ölsperre am Ortsende Neckartailfingens
auf dem Neckar errichtet, um auch die letzten Reste des Öls abzufangen - erst kurz vor der
Wasserentnahmestelle der Filderwasserversorgung wurde man damit der Giftfracht Herr.
Im Wasserwerk bei Neckartailfingen war man jedoch früh durch die Feuerwehr alarmiert
worden und konnte die Wasserentnahme aus dem Neckar rechtzeitig auf die Einspeisung
von Grundwasser umstellen. Die Gefahr einer Verunreinigung des Trinkwassers für die
rund 134 000 Menschen im Einzugsgebiet der Filderwasserversorgung bestand zu keiner
Zeit, wie vom Wasserwerk mitgeteilt wurde.
Während entlang der beiden Flüsse die Hauptkräfte der Feuerwehren mit dem bereits
im Fluss befindlichen Heizöl zu kämpfen hatten, bemühte man sich in Metzingens
Mitte im Lauf des Nachmittags um weitere Schadensbegrenzung: So wurde belastetes
Erdreich ausgebaggert, um schätzungsweise rund 1000 weitere Liter Heizöl nicht
noch weiter versickern zu lassen. Ein Kranfahrzeug aus Stuttgart wurde hier zur
Unterstützung ebenso angefordert wie ein Saugfahrzeug der Feuerwehr Ulm, das bei
der Beseitigung des Öls half. Insgesamt dürften von Metzingen bis Neckartailfingen
rund 150 Einsatzkräfte bis in die Abendstunden beschäftigt gewesen sein, um an
den Ölsperren den Film aus Bindemittel und Heizöl zu beseitigen.
Nach Einschätzung der Wehrkräfte dürfte es jedoch noch einige Tage dauern, bis
die Ölsperren auf Erms und Neckar wieder abgebaut werden können. So dauere es
einige Zeit, bis das Öl, das sich in Randbereichen abgesetzt habe, zu den
Ölsperren getrieben werde, wie etwa der Riedericher Einsatzleiter Harald Hacker
meinte. Zudem sei es durch die erforderlichen Erdaushubarbeiten an der Erms in
Metzingen nicht auszuschließen, dass noch einmal größere Mengen Öl den Fluss
hinabtreiben.
Welcher Schaden durch den Ölunfall für die Umwelt entstanden ist, lässt sich zur
Stunde kaum beziffern: So muss zunächst die Belastung der Uferbereiche entlang
der betroffenen rund 20 Flusskilometer erhoben und beseitigt werden.
Umweltexperten der Polizei aus den Kreisen Reutlingen und Esslingen hatten sich
hierzu bereits während des gestrigen Einsatzes ein erstes Bild der Lage entlang
der beiden Flüsse gemacht.
(Quelle/Text: Ralph Gravenstein, Nürtinger Zeitung, 07.11.2008)