Headline Grafik

Home

05.06.2013 - Zeitungsbericht zum Hochwasser 31.05.-02.06.2013

Hochwasserschutz hat viele Aspekte

05.06.2013, Von Uwe Gottwald (Nürtinger Zeitung)

Hochwasserbauten vergangener Jahre bewährten sich – Aber auch Überschwemmungsgebiete und flexible Maßnahmen sinnvoll

Die Wasserpegel am Wochenende waren noch einige Zentimeter höher als beim letzten großen Hochwasser von 1978. Dennoch waren die Auswirkungen in unserem Raum weniger gravierend, auch wenn die reißenden Fluten beeindruckend waren. Die Schutzmaßnahmen zeigten Wirkung. Jetzt geht man an die Auswertung, um Erkenntnisse für künftige Maßnahmen zu gewinnen.

Überflutungen gab es zwischen Neckartenzlingen und Wendlingen meist nur dort, wo sie eingeplant sind: in ausgewiesenen Überschwemmungsgebieten. Wohn- und Gewerbebauten sollten dort nichts zu suchen haben, Freizeitanlagen findet man dort noch häufiger. Deshalb standen zahlreiche Sportplätze unter Wasser, auch der Neckartailfinger Reitverein war betroffen (wir berichteten). In Neckartenzlingen und Neckartailfingen sind die Fußball- und die Tennisvereine mit ihren Vereinsgaststätten und Plätzen betroffen.

So schlimm ein Hochwasser immer ist, so hat es für die Verantwortlichen vor Ort doch ein Gutes. Sie hatten die Gelegenheit zu überprüfen, ob die eingeleiteten Maßnahmen der Vergangenheit erfolgreich waren und und wo eventuell der dringendste Handlungsbedarf besteht.

Neckartailfingens Bürgermeister Jens Timm würde sich zwar über Schutzmaßnahmen für die Sportanlagen freuen, doch weiß er auch, dass das Gelände ausgewiesen ist, um dem Neckar im Hochwasserfall mehr Raum zu bieten. Ebenso verhält es sich mit Neckartenzlingen und dem Parkplatz und den Nebenplätzen des Beutwang-Sportgeländes in Neckarhausen. Dort sind lediglich Gebäude wie zum Beispiel die Beutwanghalle geschützt.

Und auch das Oberensinger Sportgelände und der Festplatz ebenso wie das Sportgelände auf dem Nürtinger Wörth sind als Überschwemmungsgebiete ausgewiesen, wie Andreas Erwerle, Nürtingens Technischer Beigeordneter, bestätigt. So stand das Wasser vom Ruderclub neckaraufwärts auf dem Uferweg und zum Teil auch in dem angrenzenden Auwäldchen, das als Retentionsfläche dient.

Überschwemmungsflächen sollten tabu für Bebauung sein

Der Kunstrasenplatz des FV 09 Nürtingen wurde ebenfalls überflutet, obwohl er durch einen Damm gesichert ist. „Den können wir aber nicht höher bauen, weil wir sonst dem Neckar Retentionsfläche entziehen“, so Erwerle. Bei noch höheren Wasserständen reicht aber auch die Retentionsfläche nicht mehr aus, das Wasser könnte bis zur Metzinger Straße vordringen. Deshalb sieht Erwerle dort und beim Wörth-Areal, das bebaut werden soll, Priorität für Hochwasserschutzmaßnahmen. Die sieht er auch für das Gewerbegebiet Au in Zizishausen. Laut Nürtingens Feuerwehr-Abteilungskommandant Rolf Binder hatte es dort allerdings am Wochenende noch bis zu eineinhalb Meter Platz bis zur Oberkante des Hochwasserschutzes.

Dass Retentionsflächen wirkungsvoll sein können, bestätigt Neckartenzlingens Ortsbaumeister Jochen Baur, seit vier Wochen im Amt: „Die Flutmulde der Erms, die nach den Erfahrungen des letzten Hochwassers gebaut wurde, als der Bach Häuser flutete, hat am Wochenende genial funktioniert.“ Der Erms wurde sozusagen über mehrere Hundert Meter ein zweites Bett verordnet, das im Normalfall trocken liegt und sich ökologisch in die Landschaft einfügt. Im Hochwasserfall nimmt es ein gut Teil des Ermswassers auf und entlastet den Bach, bis beide Wasserläufe wieder zusammengeführt werden.

Thomas Kiwitt, Chefplaner des Regionalverbands Stuttgart, hält solche Lösungen für sinnvoll, wo sie möglich sind. Doch nicht immer habe man den Platz dazu, je nach Ortslage komme man um Dämme nicht herum. Aber auch mobile Schutzmaßnahmen, die auf- und wieder abgebaut werden können, seien eine Möglichkeit. Man müsse ein ganzes Maßnahmenbündel im Auge behalten.

So schützte Neckartenzlingen zum Beispiel am Wochenende mit sogenannten Dammbalkenverschlüssen seine Kläranlage vor den Fluten des Höllbaches. In Neckartailfingen wurde eine Schwachstelle im Hochwasserschutz beim Durchlass zum Gewerbegebiet mit Schaltafeln gesichert, berichtet Bürgermeister Timm. „Laut Hochwassergefahrenkarte standen bei uns ursprünglich Maßnahmen in Höhe von sechs Millionen Euro an“, so Timm. Nach gemeinsamen Überlegungen mit dem Regierungspräsidium habe man sich auf Maßnahmen von höchstens zwei Millionen Euro geeinigt, die mit den nun gemachten Erfahrungen, die zum Teil ursprünglichen Erwartungen widersprachen, effizienter eingesetzt werden könnten. Denn auch Timm gibt zu bedenken: „Wo Mauern nötig sind, müssen sie gemacht werden, doch ist Hochwasserschutz auch eine Frage des Geldes und nicht zuletzt der Optik.“

Dass immer größere Schutzbauwerke nicht mehr auf ungeteilte Akzeptanz stoßen, glaubt auch Neuffens Bürgermeister Matthias Bäcker. In der Stadt am Fuße der Alb waren ebenfalls Maßnahmen in Millionenhöhe vorgeschlagen, vor einigen Jahren stand das Wasser in der Ortsdurchfahrt. Aus Gründen des Landschaftsschutzes und der Finanzen verzichtete man auf Bauwerke in den Hanglagen und zahlt stattdessen jährlich in einen Fonds ein, um mögliche Schäden auszugleichen. „In Übereinstimmung mit den allermeisten der potenziell Gefährdeten“, so Bäcker. Am Wochenendehabe man kaum Probleme mit Wassereinbrüchen gehabt.
 
Quelle: Nürtinger Zeitung, 05.06.2013

Freiwillige Feuerwehr Neckartenzlingen

Einsatzabteilung

Metzinger Straße 8 | 72654 Neckartenzlingen

Freiwillige Feuerwehr Neckartenzlingen

Einsatzabteilung

Metzinger Straße 8 | 72654 Neckartenzlingen | Kontakt
©2019 FREIWILLIGE FEUERWEHR NECKARTENZLINGEN - EINSATZABTEILUNG I IMPRESSUM I DATENSCHUTZ
Aufrufe Startseite: 44.697 I Letztes Update: 17.08.2019  : False